„Siehe, ich habe vor Dir eine Tür aufgetan und niemand kann Sie zuschließen!“ – Offenbarung 3,8
Liebe Geschwister in den Werken und Verbänden des EPiD,
manchmal ist es gut, das eigene Haus zu entrümpeln. Ich weiß, wovon ich rede, sind wir doch vor vier Wochen umgezogen. So ein Umzug ist auch die beste Gelegenheit, um sich von manchen unnöti
gen Dingen zu trennen. Bei Durchsicht von Dachboden, Keller und Wohnräumen wurde klar: Das kann alles gar nicht mit. Da hat sich im Laufe der Jahre auch mancher Ballast angesammelt, das bleibt in einer großen Fami-lie vielleicht auch gar nicht aus. Aber manchmal braucht es eben auch einen Befreiungsschlag und den Blick für das Wesentliche, um das Überflüssige loszulassen. Ich habe über mich selbst gestaunt – mit jeder Fuhre zum Recyclinghof fiel mir das Loslassen spürbar leichter. Inzwischen bin ich dort bestens bekannt und meine Frau meinte letztens spöttisch: Ich müsste wohl die Jahresauszeichnung als bester Kunde mühelos errungen haben.
Reformation hat kirchlicherseits vielleicht manches mit einer solchen Entrümpelungsaktion zu tun: Dabei ging es Martin Luther und den anderen Reformatoren ja vor allen Dingen darum, das Wesentliche unseres christlichen Glaubens neu in den Lebensmittelpunkt zu rücken, eindeutig, klar und verständlich: Allein Christus, allein der Glaube, allein die Schrift. Es hat dazu geführt, die Kirche vom Evangelium her aufzuräumen, vom päpstlichen Dachboden bis zum reliquiengefüllten Keller, über die ablassverstopften Schränke. Es sammelt sich was an, im Laufe der Zeit – das ist menschlich. Da braucht es schon Gottes Geist, um das Heilsnotwendige vom Unheiligen, klar die Haupt- von den Nebensachen zu trennen. Evangelisch sein heißt dann vielleicht auch, immer wieder den Mut zur Konzentration auf das Notwendige zu bewahren. Die Musik gehörte für die Reformatoren unabdingbar zum gelebten Glauben dazu, zum absolut Notwendigen. Und auch wenn schon damals klar war: Die Kirche wird immer neu Reformation nötig haben – zu ihrem Wesen gehört unabdingbar die gelebte Geschwisterschaft von Theologie und Musik. Kirche lebt auch in und durch ihre Glaubenslieder. Gespielt und gesungen kommt in ihnen die erlösende Kraft des Evangeliums zum Zuge. In ihnen geschieht Teilhabe daran, was Luther programmatisch das Priestertum der Getauften genannt hat. So wirken wir mit daran, dass Zugänge zu Glaube, Hoffnung und Liebe offen bleiben – „Türöffner“ für die Kirche ist schließlich nicht das schlechteste Synonym für unsere Posaunenchöre.
