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EPiD – Infobrief 03/09 – September 2009
Liebe Geschwister in den Werken und Verbänden des EPiD,
„Wo euer Schatz ist, da ist auch Euer Herz.“ - mit diesem Jesuswort aus dem Lukasevangelium (Lk 12, 34) nimmt der Monatsspruch für September unsere Sorgen und manche allzu oberflächliche Abhängigkeit von materiellen Gütern kritisch in den Blick.
Unwillkürlich musste ich beim Wort Schatz an Tolkiens „Herr der Ringe“ denken: In der Filmtrilogie dreht sich alles um den Ring der Macht. Er wird zum Gegenstand der Begierde, den viele in ihren Besitz bringen möchten. Mit ihm scheinen die eigenen Möglichkeiten unbegrenzt. Unter den „Schatzjägern“ ist das merkwürdige Wesen „Gollum“. Der Zuschauer erfährt: Gollum hat lange diesen Ring besessen. Doch die Gier hat ihn verändert. All seine Gedanken
sind wie gebannt durch „seinen“ Schatz, den er unbedingt wieder bekommen möchte. Nur dafür lebt er und ist doch gleichzeitig zu einem Schattendasein verurteilt, in dem Körper, Geist und Seele auf erschreckende Weise verkümmert sind. In der verhängnisvollen Abhängigkeit an den vermeintlichen Schatz hat er alles verloren, was das Leben lebenswert macht. Was das Leben lebenswert macht, das ist mehr als Geld. Das ist kein Geheimnis. Die wesentlichen Dinge werden in einer anderen Währung erworben als Geld. Davon spricht Jesus – die Figur des Schriftstellers Tolkien unterstreicht die tiefe Wahrheit des Evangeliums. Unsere Lebenserfahrung wird das sicherlich auch bestätigen. Und dennoch, so einfach ist eben nicht, davon weiß auch der Spiegel zu berichten, wenn er titelt: „Wir sind ärmer, aber nicht klüger geworden.“ Viele machen da weiter, wo sie vor der Krise aufgehört haben. Viele Banken und ihre Manager haben eine ungebrochene „Gollum-Mentalität“ auf der Suche nach dem Schatz des fast unbegrenzt finanziell Machbaren. Die Frage nach den Lebenswerten, also nach dem, was für uns zählt und wichtig ist (der Theologe Paul Tillich sprach von dem, was uns unbedingt angeht), bleibt oft auf der Strecke. Sie wird nur dann laut, wenn uns furchtbare Ereignisse wie der Überfall auf die Schule in Ansbach, der Totschlag eines mutigen Zeitgenossen in München oder die Ermordung eines Kindes aufschrecken. „Was passiert mit uns?“ fragen manche erschreckt. Woran krankt unsere Gesellschaft? Auch wenn ich weiß, dass die Antwort darauf sehr komplex und niemals allgemeingültig ausfallen kann, so liegt dennoch eine Ursache im Kern vielleicht genau dort, wo Christus uns den Fingerzeig gibt: Wo unser Herz ist. Wo sind wir bei der Sache? Sind wir nur „Glücksritter“ in eigener Sache oder fragen wir noch nach den Maßstäben, die Gott unserm Leben gesetzt hat, in Gesetz und Evangelium. Im Verhältnis zu Gott und zu den anderen Menschen wird das konkret. Mir fällt der große Geiger Yehudi Menuhin ein, der einmal sinngemäß sagte, dass Menschen, die mit Hingabe ein Instrument spielen, damit im Grunde ungeeignet sind, um kriminell zu werden und anderen Schaden zuzufügen. Als Bläserinnen und Bläser in den
Posaunenchören können wir das sicherlich bestätigen: Mit unseren Klängen zwischen Himmel und Erde rühren wir Herz und Sinne an, erzählen von dem Ort des Lebens, zu dem Gott ruft. In der Musik liegt die Kraft, den Menschen zum guten Denken, Reden und Handeln anzuleiten. In ihr gewinnen Hoffnung, Glaube und Liebe Mut. Vielleicht ist eines der Geheimnisse der Maueröffnung vor 20 Jahren und der friedlichen Revolution auf dem Weg zur deutschen Einheit, dass die Menschen zuvor wie in der Nikolaikirche in Leipzig Friedenslieder gesungen haben. Manche Geheimnisse sind es wert, dass wir ihnen nachspüren – auch heute noch.
