Neuer Vertrauensmann | Begegnungstagung 2008  

CFT 2008 in Klix (Oberlausitz)

Morgenchoral blasen im Hof des Waldschulheims




Das alljährliche CFT war dieses Jahr noch mehr als sonst ein „Kleiner Deutscher Posaunentag“. Die Bläser – alles Teilnehmer in Forum und Chat auf der EPiD- Internetseite - kamen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Baden und Tschechien - allerdings betrug die Zahl der Teilnehmer nur ein Tausendstel des „Großen“, nämlich Fünfzehn. Leipzig warf seine Schatten voraus. Wer hatte, zog bei Auftritten sein Leipzig-T-Shirt an, und es wurde immer auch aus dem Gloria 08 gespielt. Immer wieder sprachen uns Zuhörer darauf an und wurden freundlich über den DEPT informiert.
Für die Organisation war diesmal Susanne zuständig, die in Klix als Kirchenmusikerin arbeitet. Untergebracht waren wir alle gemeinsam im Waldschulheim von Halbendorf, wo auch die Proben stattfanden. Die Tage begannen, wie es sich für Posaunenchorbläser gehört, mit dem Morgenchoral im Hof.
Tagsüber gab es ein gut durchdachtes und von Susanne hervorragend organisiertes Programm, abends wurde mit LPW Andreas Altmann geprobt. Nach der Andacht zum Tagesschluss wurde noch aus einem Liederheft gesungen, das Susanne eigens für das CFT zusammengestellt hatte. Anschließend war Klönen angesagt – mit offenem Ende.


Kaffee und Kuchen im Pfarrgarten der Gemeinde Milkel




Am Mittwoch vor Himmelfahrt war Anreise. Die Ankunftszeiten fielen wegen diverser Staus sehr unterschiedlich aus. Trotzdem war schon die erste Probe angesetzt, da am nächsten Tag der erste Einsatz zu blasen war.
Für den Himmelfahrtstag hatten die Gemeinden Klix, Milkel, Luppa und Bautzen-Gesundbrunnen eine Radtour mit einem gemeinsamen Regionalgottesdienst als Auftakt geplant. Morgens sah der Himmel noch eher nach Innenprogramm aus, aber nach dem Gottesdienst in der Kapelle von Halbendorf, der von den CFT-Bläsern begleitet wurde, kam die Sonne durch. Die Radfahrer konnten unbesorgt starten, nachdem sich alle beim Picknick in einem großen Zelt gestärkt hatten. Die Bläser "verdienten" sich ihren Anteil daran durch einige munter geblasene Volkslieder.
Während die Gemeinde durch die Spreeauen radelte, fuhren die Bläser mit PKWs zum Nachbarort Spreewiese, um dort das alte Rittergut zu besichtigen. Zuerst wurden wir in den kleinen überdachten Lichthof geführt, dessen Akustik sich als ideal für einen 15-köpfigen Posaunenchor erwies. Der Schlossherr genoss das Ständchen mit seiner Lebensgefährtin und zwei Gästen. Anschließend führte er uns durch das Schloss,


Führung im Schloss Spreewiese




Der Freitagmorgen war einem sehr ernsten Thema vorbehalten: einer Führung durch das berüchtigte Stasi-Gefängnis „Bautzen II“. Es war sehr bedrückend zu sehen, zu erfahren und greifbar zu erleben, was Menschen Menschen antun
können. Ohne hier Einzelheiten zu schildern, kann ich einen Besuch nur empfehlen, vor allem denen, die die Wiedervereinigung Deutschlands aus welchen Gründen auch immer gerne rückgängig machen würden... Am Ende der Führung sangen wir „Jesu, meine Freude“ auf einen sehr passenden Text von Gerhardt Schöne.
Die junge Frau, die uns sehr sachkundig und mit offensichtlicher innerer Beteiligung geführt hatte, sang mit und steckte sich das Textblatt ein. Beim Verlassen des Gebäudes wieder in den hellen Sonnenschein zu treten, war eine Erleichterung und ließ jeden tief aufatmen.


Empfang im sorbischen Restaurant




Mittags waren wir Gäste eines sorbischen Restaurants. Das Wort „Gast“ wird hier wörtlich genommen: Die Inhaberin, in kleidsamer sorbischer Tracht, trat mit Brot und Salz vor die Tür und hieß uns zweisprachig willkommen. Darauf ging sie herum und reichte jedem ein Stück frisches, selbstgebackenes Brot, bestreut mit Salz.
Da fühlt man sich nicht mehr nur als zahlender Kunde. Zwischen den Gängen erzählte sie uns einiges über sorbische Bräuche und versuchte uns einige sorbische Wörter beizubringen. Die Sorben, auch Wenden genannt, sind eine starke slawische Volksgruppe in der Oberlausitz. Schilder und offizielle Texte sind zweisprachig, und seit der Wende gibt es auch sorbische Schulen und andere Einrichtungen. Brauchtumspflege wird hoch gehalten.
Sehr dankbar waren wir, dass wir unsere Instrumente bei einer dem Restaurant angeschlossenen Pension unterstellen durften, denn am Nachmittag stand eine Stadtführung durch die sehr schön wieder hergestellte Altstadt von Bautzen auf dem Programm.


Der ökumenische Dom: Evang. Seite




Besonders interessant fanden wir den „ökumenischen“ Dom: Er ist seit der Reformation zweigeteilt in einen evangelischen und einen katholischen Teil. Früher durch einen hohen Lettner getrennt, markiert heute eine einfache niedrige Chorschranke die „Grenze“, die den Blick auf beide Teile freigibt.
Nachdem sich alle in einem kleinen Laden mit dem berühmten Bautzner Senf eingedeckt hatten, holten wir die Instrumente ab und begaben uns zum Marktplatz, um dort zu blasen. Am Himmel dräute inzwischen eine blauschwarze, ständig wachsende Wolke, aber wir sind ja BLECHbläser und damit wasserfest.
Aus dem Choralbuch und Gloria 08 spielten wir das Programm, das wir uns vorgenommen hatten, und mussten hin und wieder die Notenständer festhalten, da uns heftige Windböen zu schaffen machten. Ein Posaunenzug ging dabei zu Boden, wurde aber zum Glück nur leicht beschädigt und blieb spielbar. Für die kleine Delle am Rand brauchte der Instrumentenbauer um die Ecke keine fünf Minuten und wollte nicht einmal Geld dafür. Mit den ersten Regentropfen spielten wir den abschließenden Bachchoral „Gloria sei dir gesungen“. Das kurz darauf folgende Unwetter saßen wir unbeschadet in einer Eisdiele ab.


Samstagvormittag fuhren wir zum „Lausitzer Ohr“, einem Landschaftspark, in dem eine Abraumhalde in Form eine liegenden Ohres geformt und begrünt worden ist. In der Mitte, am Gehörgang sozusagen, befindet sich ein kleines Amphitheater, auf dessen Bühne wir uns natürlich zum Blasen aufstellten. Ein kleines Publikum aus Spaziergängern hörte interessiert zu, und wie überall, wo wir auftraten, wollten einige Menschen wissen, was es mit den T-Shirts auf sich hatte, die auf Leipzig hinwiesen. Anschließend wurden noch einige Fotos gemacht, vor allem mit den T-Shirt-Trägern.
Der Nachmittag war „frei“, weil Susanne einer Verpflichtung als Kirchenmusikerin nachzugehen hatte. Einige nutzten die Zeit, einmal gründlich auszuschlafen - was ja auf CFTs generell etwas zu kurz kommt, gingen spazieren oder übten für den Gottesdienst. Die Tiefblechfraktion probierte einige Sätze von Patrick aus.
Die abendliche Probe fand in der wunderschönen alten Kirche von Klix statt, wo wir am nächsten Tag den Konfirmationsgottesdienst begleiten sollten.


Werbung für den DEPT 08




Ja, und dann ward nach Abend und Nacht der letzte Tag, der Sonntag. Andreas Altmann leitete den CFT-Posaunenchor, Susanne spielte Orgel und ihr Mann, der Pfarrer von Klix, hielt den Gottesdienst. Wie wir hinterher hörten, erfreute sich die Gemeinde nicht nur an unserem Spiel, sondern auch am kräftigen Gesang zu den Orgelstrophen.
Anschließend bekamen wir noch eine interessante kleine Kirchenführung durch den Pfarrer.
Im Anschluss an das gemeinsame Mittagessen hieß es dann Abschiednehmen. Nach dem gesungenen Reisesegen im Hof des Waldschulheims kam das große „Verabknuddeln“. Einige mussten nach Bautzen zur Bahn gebracht werden, die anderen begaben sich auf die volle Autobahn nach Westen. Alle sind heil zu Hause angekommen und freuen sich schon auf das nächste CFT, das voraussichtlich in Oldenburg stattfinden wird.