Fuge
Ein häufiges Szenario: Die erste Stimme präsentiert selbstbewusst das Fugenthema, die zweite folgt etwas wackelig und unrhythmisch. Die dritte Stimme startet vor Aufregung zu früh, die vierte versucht durch Lautstärke das nahende Chaos abzuwenden. Und die Bewegungen des Dirigenten werden immer hektischer. Die Bläser scheinen auf der Flucht voreinander zu sein. Tatsächlich, daher kommt auch das Wort Fuge!
Aber was ist entscheidend für das Gelingen einer Fuge?
Die einzelnen Stimmen mit ihren Fugeneinsätzen müssen einander im Hinblick auf Dynamik, Rhythmus, Artikulation und Klangfarbe nachahmen. So entsteht ein homogenes Klagbild, in das der Zusammenklang aller Stimmen mündet.
Bezogen auf unser Leben heißt das: Wir sammeln über das Nachahmen Erfahrungen, die uns schließlich zu der Persönlichkeit machen, die wir sind. Dafür sind wir in unserer von Vielfalt, Tempo und Individualität gekennzeichneten Gesellschaft besonders auf Menschen angewiesen, die uns christliche Werte und Normen vorgeben. Solche Menschen erzählen von der Kraft des Evangeliums und leben einen respektvollen Umgang miteinander vor. Sie weisen auf die Kraft der Gemeinschaft hin. So ist unser Leben einer Fuge vergleichbar: Leben bewegt sich zwischen Nachahmung bzw. Nachfolge und eigener Ausprägung.
Wir beten:
Unser Gott, lass uns das Leben als den Zusammenklang aller Stimmen erfahren, um die Angst zu überwinden, alles könnte aus den Fugen geraten. Amen.
EG 645 Lasst uns miteinander
Jörg Häusler
Unsere Andachten – von Autoren aus der Posaunenchorwelt und als handliches Andachtsbuch erhältlich – sind geeignet für die geistliche Einstimmung in die Posaunenchorprobe, für das persönliche Nachdenken oder die Vorbereitung von Gottesdiensten.