"Jesus, Gott und Mensch"
Vier Worte, die es in sich haben: In ihnen begegnet uns das altkirchliche Bekenntnis des ökumenischen Konzils von Chalcedon. „Wahrer Gott und wahrer Mensch“, das gibt’s doch gar nicht, mag einer denken. Entweder das eine oder das andere, aber beides zugleich ist unmöglich. „Fisch oder Fleisch“ sagen wir manchmal und drücken aus: Für eines muss man sich schon entscheiden, denn eins schließt das andere aus. Solche Aussagen wie die von den „zwei Naturen Christi“ sind eigentlich ein Widerspruch zweier sich ausschließender Gesetzmäßigkeiten. Ist hier nicht verbunden, was eigentlich schon immer getrennt war? Nach menschlichem Ermessen ist diese Verbindung undenkbar! Leidenschaftlich wurde um diesen Glaubenssatz gestritten: Die Ohnmacht eines Menschen am Kreuz und die Allmacht Gottes in seiner Liebe sollen in der Person des Jesu von Nazareth vollkommen vereint sein. Das geht wahrhaftig an die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft.
Auch wenn es sich dem menschlichen Denken und Verstehen entzieht: Gottes Wirklichkeit ist mehr, als Erfahrungen und Scharfsinnigkeit erschließen können. So steht dieser Satz für das Herzstück unseres Glaubens. In Christus ist verbunden, was wir nicht zusammenbringen, Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit. Darin schwingt der Cantus Firmus seiner ewigen Güte, die unsere irdische Schwermut überwindet.
Wir beten:
Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Amen
EG 295 Wohl denen, die da wandeln
Bernhard Silaschi
