Ritardando
In der Alten Musik sind es oft nur zwei Noten, die vor dem Schlussakkord langsamer gespielt werden; in der Romantik können es mehrere Takte sein. Aber ganz gleich, wo rit. steht – alle müssen auf den Chorleiter achten. Er gibt das verlangsamte Tempo an.
Die Zeiten des Kirchenjahres folgen aufeinander wie die Sätze einer Suite – unterschiedlich in Tonart, Tempo und Charakter. Die Epiphaniaszeit als lichtreiche Fortsetzung der weihnachtlichen Freudenzeit ist vergangen. Estomihi („Sei mir ein starker Fels“, Ps.31,3) heißt der Sonntag, der einerseits einen retardierenden Abschluss bildet. Andererseits deutet der Wochenspruch auf Neues hin: „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn“(Luk. 18,31). Mit Aschermittwoch beginnt die Passionszeit.
Die Geschichten der Evangelien zeigen den Weg Jesu zum Kreuz. Wer Leid tragen muss, erfährt eine Verlangsamung seines Lebens. Gut, wenn er dann erkennt, dass der „Dirigent“ ihm nicht nur gegenübersteht und Takt und Tempo vorgibt. Im leidenden und sterbenden Jesus findet er Gott an seiner Seite, der an seinem und dem Leiden der Welt teilnimmt.
Wir beten:
Guter Gott, zu allen Zeiten haben Menschen in Trauer und Unglück Jesus als den Überbringer deiner rettenden Liebe gesehen. Wir danken dir, dass wir durch ihn sicheren Grund für unser Leben haben. Amen.
EG 275,1.3.4 In dich hab ich gehoffet, Herr
Eberhard Erdmann
