Trugschluss
Wenn statt des erwarteten Schlussakkordes das Musikstück plötzlich ganz anders weitergeht, dann sprechen wir von einem Trugschluss. Als Jesus in Jerusalem einzog, gab es auch klare Erwartungen: da würde endlich der verheißene Retter einziehen, der Sohn Davids, des mächtigen und streitbaren Königs. Da hoffte man auf Befreiung von Unterdrückung. – Das war ein Trugschluss. Statt des Pferdes ein Esel, statt des Sieges der Tod am Kreuz. Jesus kam anders und kommt auch heute anders als erwartet. Nicht als einer, der dreinschlägt und die Verhältnisse auf einen Schlag verändert. Vielmehr als einer, der sich solidarisiert mit Leidenden und Unterdrückten, der Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet, der auf eine Kraft verweist, die hinter allem Irdischen waltet: Gottes Liebe. Es wäre aber nun falsch, zu glauben, dass solche scheinbare Passivität von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Denn Jesu Kreuzigung erwies sich später als der größte Trugschluss der Geschichte. Statt des erwarteten endgültigen Todes, erwuchs aus diesem Geschehen Kraft zum Leben und zur Vergebung, wurde die Macht der Liebe deutlich, wurden Millionen Menschen verändert, befreit und von Vertrauen auf Gott erfüllt.
Wir beten:
Großer Gott, wir danken dir für dein machtvolles Eingreifen in die Geschichte und in unser Leben. Öffne unsere Augen, dass wir nicht vorschnell urteilen, dass wir dich und deinen guten Willen mit uns hinter allem, was geschieht, entdecken. Amen.
EG 87 Du großer Schmerzensmann
Dr. Folkert Fendler
