Vivace
Was in der Musik das Vivace ist, ist im Kirchenjahr das Osterfest: Voll Jubel feiern Christen den Sieg des Lebens über den Tod. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Zu Ostern ist es an der Zeit, Largo und Moll hinter sich zu lassen. „Auf, auf, mein Herz mit Freuden, / nimm wahr, was heut geschieht; / wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht!“ Paul Gerhardt hat so gedichtet.
Der Ton des Jubels bestimmt das Osterfest. Dieser Jubel gibt uns die Kraft, Protestleute zu sein gegen den Tod. Wir singen unsere Freude hinaus in die Welt: Überwunden ist die Angst; die Niedergeschlagenheit ist ausgestanden; der Tod rückt in das Licht des Auferstehungsmorgens. Gottes Ruf weckt neues Leben. Die Starre des Todes schmilzt unter den Strahlen der Auferstehungssonne. Wo Gott spricht, zerbrechen Trauer und Bitterkeit, und Leben blüht auf. In die Stille des Morgens strömt der Gesang ewiger Freude. Wo zuvor die Welt am Ende zu sein schien, geschieht neuer Aufbruch. Denn Gottes Ruf verwandelt. Er löst aus der Starre und setzt in Bewegung.
Paul Gerhardt führt mit seinem Lied in das österliche Erleben hinein. Als ob sein Lied freudetrunken dem auferstandenen Christus entgegenstürzt, entwickelt es eine österliche Dynamik. Ein Osterlied, das seinem Ziel entgegenstrebt, ein Herz, das Gott entgegengeht. Vivace! Die Botschaft von Ostern ruft dazu auf, den erlösenden Jubel von Ostern weiter zu tragen. „Auf, auf, mein Herz mit Freuden, / nimm wahr, was heut geschieht!“
Wir beten:
Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja.
EG 112 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden
Bischof Dr. Wolfgang Huber
