Partitur
„Ja, ja, die Musik“, soll Leonard Bernstein einmal gesagt haben. Musik vermag alles. Dissonanzen und Harmonien bedeuten unterschiedlichste Lebensgefühle. Einzelstimmen fügen sich in einen großartigen Zusammenklang. In einer Partitur kann man die unterschiedlichsten Tempi, Rhythmen, Artikulationen und dynamischen Zeichen sehen und wie sie sich gleichzeitig zu einem großen Werk verbinden. Die Partitur verschafft den Überblick über ein Gewirr von einzelnen Stimmen. Und wie in der Musik, so sind auch im Leben die Gegensätze das Anziehende: Herz und Verstand, Mann und Frau, CDU und SPD. Das eine geht nicht ohne das andere. Und wenn auch die Gegensätze groß sind, in der Partitur des Lebens klingt alles gemeinsam und harmonisch. Paulus fordert die Gemeinde in Rom auf: „Denn das ist Ziel und Sinn eures gemeinsamen Lebens, dass ihr im selben Geist und mit demselben Wort und Lobgesang den Gott rühmt, der zugleich der hohe Herr der Welt und der uns vertraute Vater unseres Herrn Jesus Christus ist.“ Wir sollen eine singende Gemeinde sein, gemeinsam Gott rühmen und Christus als Vorbild der Menschlichkeit nehmen. Wenn wir uns, trotz unserer Gegensätze und Kontrapunkte akzeptieren, kann eine große Harmonie aus der Partitur Gemeinde entstehen. In dieser Partitur ist jeder wichtig, egal, ob er Solotrompete oder Triangel spielt. Wir sollten unser Bewusstsein für jene Klänge und Melodien in einer Partitur schärfen, die unscheinbar erscheinen, doch, wenn man sie hervorhebt, eine große Wirkung entfalten. Das wird sich auch im Miteinander wieder spiegeln.
Wir beten:
Herr, lass uns mitsingen in deinem großen Lobgesang. Lass uns denen zuhören, denen wir nichts zutrauen, lass uns teilhaben an der großen Harmonie deiner Schöpfung und hilf uns, sie zu bewahren. Amen.
EG 295, Wohl denen, die da wandeln
Reinhard Gramm
