Oratorium
Die kürzeste Erklärung für Oratorium lautet wohl: "Kirchenoper ohne Bühnenbild". Ursprünglich bezeichnet das Wort (abgeleitet vom lateinischen orare - beten), aber den Ort, an dem man sich zum Beten versammelt.
Auch unsere Kirchen sind also Oratorien, denn hier versammeln wir uns zum Got¬tesdienst und zum gemeinsamen Gebet.
Die Betonung liegt darauf, gemeinsam zu beten. Hier geht es nicht um unsere vielen kleinen Stoßgebete, die wir täglich gen Himmel schicken, wenn wir Angst vor der nächsten Mathe-Arbeit oder einer schwierigen Situation im Beruf haben. Manchmal vielleicht auch nach dem Motto: ich weiß nicht mehr weiter, nun darf Gott ran.
In der Gemeinschaft kann man lernen, dass mit dem Beten eigentlich etwas anderes gemeint ist: die betende Gemeinde kann zugeben, dass sie nicht alle Probleme lösen kann und auf alle Fragen eine Antwort hat. Menschen, die um etwas bitten, nehmen eine andere Haltung zum Leben ein: sie sind bereit, sich noch etwas sagen zu las¬sen, sie sind noch nicht fertig mit sich und der Welt. Sie sind keine Alleswisser und Alleskönner, sie können ihre Fehler und ihre Schuld eingestehen und sind trotzdem - ganz anders, als die Werbung es meint - eine starke Gemeinschaft.
Wir beten:
Ich suche Geborgenheit und Gemeinschaft. Lass mich etwas davon erfahren, freundlicher Gott, hier im Posaunenchor und in meiner Gemeinde. Gib mir die Worte, um zu dir zu beten und lass mich im Lärm der Welt dein Wort hören. Amen
EG 419 - Hilf, Herr meines Lebens
Heidi Heine
