Das Feld ist weiß
(EG 513)
Das Feld ist weiß; vor ihrem Schöpfer neigen
die Ähren sich, ihm Ehre zu bezeigen.
Sie rufen: »Kommet, lasst die Sicheln klingen,
vergesst auch nicht, das Lob des Herrn zu singen!«
Ein Jahr, Allgüt’ger, ließest du es währen,
bis uns gereift die Saat, die uns soll nähren.
Nun du sie gibest, sammeln wir die Gabe;
von deiner Huld kommt alle unsre Habe.
Wenn du, Herr, sprichst dein göttliches »Es werde«,
füllt sich mit reichen Gaben bald die Erde.
Wenn du dich abkehrst, müssen wir mit beben
in Staub uns wandeln, können wir nicht leben.
Herr, wir sind dein und wollen gern ertragen
im Schweiß des Angesichts der Arbeit Plagen;
nur segne, Vater, unsrer Hände Werke,
schenk uns Gesundheit, neue Kraft und Stärke.
Wir wollen kindlich zu Gott Hoffnung hegen
und auch den Armen spenden von dem Segen;
gab er uns wenig, uns dabei bescheiden,
gab er uns reichlich, unnütz nichts vergeuden.
Sein sind die Güter, wir nur die Verwalter.
»Tu Rechnung«, spricht der Ewge zum Haushalter.
Wie reife Garben wird nach kurzen Tagen
der Tod uns mähen und zu Grabe tragen.
Am End nimm, Jesu, in die Himmelsscheuern
auch unsre Seelen, Sabbat dort zu feiern.
Die hier mit Tränen streuen edlen Samen,
werden mit Freuden droben ernten. Amen.
Text: Wilhelm Gortzitza 1858 / Richard Abramowski 1928 / Melodie: 17. Jh., Königsberg 1885
Ein Feld voller Ähren, ein Baum voller Früchte, das sind jedes Jahr Zeichen von Gottes Schöpferkraft und Fürsorge. Denn er gibt Regen und Sonne zum Wachsen der Pflanzen und versorgt uns so mit der Nahrung, die wir brauchen. Auch wenn wir unsere Lebensmittel meistens beim Discounter einkaufen, so würde es doch keine geben, wenn er sie nicht wachsen ließe. Denn welcher Mensch kann schon Äpfel zum Reifen bringen? Wir können die Umstände optimieren für Wachsen und Gedeihen, aber das eigentliche Wachstum liegt in Gottes Hand. Ist es nicht jedes Jahr ein kleines Wunder, wenn die Natur im Frühjahr erwacht, die Pflanzen blühen und wir im Herbst ernten können? Deshalb ist das tägliche Danken für das Essen eine wichtige Sache, die uns nicht vergessen lässt, wem wir unsere Nahrung letzten Endes verdanken. Gott sorgt für uns in allen Bereichen unseres Lebens. Die sechste Strophe handelt schließlich davon, dass wir nur die Verwalter der Schöpfung sind, die Gott Rechenschaft schulden. Sie überträgt diesen Gedanken auf unser eigenes Leben: Welchen Grad der »Reife« werden wir am Ende erreicht haben?
Wir beten:
Am End nimm, Jesu, in die Himmelsscheuern
auch unsre Seelen, Sabbat dort zu feiern.
Die hier mit Tränen streuen edlen Samen,
werden mit Freuden droben ernten. Amen.
(EG 513, 7)
Dr. Wolfgang Schnabel
EG 513 Das Feld ist weiß
