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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Lobet den Herrn mit Trompeten und Posaunen

Predigt von Bernhard Silaschi zum Jubiläumsgottesdienst aus Anlass 120 Jahre Posaunenchor Haspe am 7. November 2007 um 10.30 Uhr in der Ev. Kirche in Hagen-Haspe – Festlicher Bläsergottesdienst


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Motto: „Lobet den Herrn mit Trompeten und Posaunen“
Predigttext: Psalm 150

1 Halleluja! Lobet den Herrn in seinem Heiligtum; lobet ihn in der Feste seiner Macht! 2 Lobet ihn in seinen Taten; lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! 3 Lobet ihn mit Posaunen; lobet ihn mit Psalter und Harfen! 4 Lobet ihn mit Pauken und Reigen; lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! 5 Lobet ihn mit hellen Zimbeln; lobet ihn mit wohlklingenden Zimbeln! 6 Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder,

Euer Posaunenchor feiert Geburtstag – 120 Jahre alt und doch noch nicht in die Jahre gekommen, das kann man hören, das kann man sehen! „Lobet den Herrn mit Trompeten und Posaunen“ – Dies ist sozusagen das Programm, das hinter allen Programmen steht. Und als wir über den Gottesdienst gesprochen haben, da war schell klar: Der 150. Psalm, der Bläserpsalm soll im Mittelpunkt der Verkündigung stehen – das große Halleluja auf die Herrlichkeit Gottes, der einzigartige Lobgesang, der alle Möglichkeiten menschlichen Musizierens in den Dienst nimmt, um Gott die Ehre zu geben: Und so ist die Posaune – die man als Anklang der Stimme Gottes empfand - sogar das erste Instrument, das in diesem Instrumentenreigen über Psalter, Harfe, Pauken, Pfeifen, Zimbeln erwähnt wird. Ein Orchester, das mit jedem Atemzug der Dankbarkeit, dem Lobpreis der Güte Gottes Raum gibt. Das ist das uneingeschränkte Ausrufezeichen am Ende aller 149 vorhergehenden Psalmen; das ist wie der Schlussstein in einer Kathedrale, mit dem alles, was zuvor gesagt wurde noch einmal auf den Punkt gebracht wird und es gibt keine bessere Weise Gottesdienst zu feiern, als in dieses Halleluja einzustimmen. Es macht sensibel, empfindsam dafür, was wir in unserem Leben Gott verdanken, es nimmt das Leben, die Liebe, das Geschenk der Musik und Künste, die Gemeinsacht, die Freundschaft, unsere jeweils einzigartigen Begabungen nicht selbstverständlich, sondern proklamiert mit diesem Halleluja alle diese guten Gaben zum Herrschaftsbereich Gottes. Gott loben lässt sein Reich immer auch schon unter uns gegenwärtig werden – eröffnet Räume, in denen sein Geist gegenwärtig wirkt. Und der Altvater der großen Posaunenchorbewegung in Deutschland, Johannes Kuhlo, hat nicht von ungefähr davon gesprochen: Die Posaunenchöre mit ihren Bläserinnen und Bläser sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am 150. Psalm. Wenn wir so wollen, beinhaltet dieser 150 Psalm mit seinem Ton und Takt so ein Stück Dienstanweisung für unsere Berufung und unseren Zeugendienst als Bläser. Bei welchen Gelegenheiten wir auch spielen: Der Grundton – hörbar und unhörbar ist dieses einzigartige Halleluja.

Dabei weiß ich ja auch, dass uns nicht immer nach Jauchzen und Jubeln zumute ist. Da gibt es neben der Freude eines solchen Tages auch viel Beklagenswertes: – Wir alle müssen mitunter viel verschmerzen, wo uns dann die Klagegesänge viel näher liegen als die Loblieder- und jeder weiß vielleicht von sich selbst, wie schnell ihm die Luft/der Odem für das Halleluja ausgehen kann, da sind wir mit jeder Krankheit, manchen kleinen und großen Unglücken, dem Verlust von lieben Menschen, - all dem, wovon unsere Zeitungen tagtäglich voll sind, auf eine harte Probe gestellt. Das weiß ich auch von meiner Arbeit in der Klinik – im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen, wie schnell mit der Kurzatmigkeit unserer schwachen Herzen uns auch die Puste für die Kraft der Seele ausgeht – das ist nur allzu menschlich: Da liegt es uns oft viel näher, Gott den Zustand unseres Lebens und dieser Welt zu beklagen: Sieh doch her, Gott, wie es mir geht, wie jämmerlich ich mich fühle, warum scheint in solchen Zeiten jede Sekunde, Minute, Stunde, Tage, Wochen und manchmal Monate (bspw. für die Patienten, die auf ein Herz warten, wie eine Vertiefung auf das Schweigen, das mehr bräuchte als Worte allein: Gott bist du da, wenn ich mich selbst verliere?)

Der 150. Psalm sollte in uns nicht das Missverständnis wachsen lassen, als gingen ihn diese unsere manchmal trostlosen Lebenssituationen gar nichts an. Als ginge er sozusagen fröhlich pfeifend darüber hinweg – als kümmere ihn mit einer nahezu naiven Fröhlichkeit der Zustand unserer Welt nicht wirklich. Ja, dann wäre das Anstimmen dieses Liedes vielleicht wirklich wie ein Zuckerguss über die Mieseren darunter und ein unverantwortliches Tun. Nein, hier wird nichts unter den Teppich einer vorgetäuschten Fröhlichkeit gekehrt. Dieser Psalm steht ja auch nicht einzeln und isoliert irgendwo, sondern – ich erinnere noch einmal daran: Er bildet der Abschluss des Psalmenbuches: Es ist das Lieder- und Gebetbuch Israels und später der Kirche geworden, weil es ganz wahrhaftig und schonungslos unser Leben in seinen Tiefen und Höhen vor Gott bringt und auslotet– oft und sogar häufiger die Tiefen, wo Menschen all das benennen und vor Gott aussprechen, was sie bedrängt, was ihrem Leben Mühe macht, ja was sie im tiefen Wortsinn sogar lebensmüde macht. Das Buch der Psalmen leiht uns da die Worte, wo es uns die Sprache verschlägt – wir sprachlos bleiben und sie haben einen tiefen Lebensrealismus: Der von vielen Menschen geliebte 23. Psalm („der Herr ist mein Hirte...“) verschweigt ja das finstere Tal nicht, die Psalmen nehmen offen unsere Not, unser Elend – unser ganzes menschliches Schwachsein in den Blick und tragen es als Klage, der einzelnen, der Gemeinschaft vor Gott – sie legen den Finger in die Wunde: Gott es ist noch etwas offen zwischen uns...

Woraus aber schöpfen sie Antwort und neue Kraft, um die Lähmung von Zuversicht und Hoffnung zu überwinden? Mir fällt auf: die Psalmen sind nicht einseitig: Ja sie geben der Klage, dem Schmerz, dem Schreien und Rufen zu Gott Raum, aber sie sind zugleich auch das kollektive Gedächtnis, dass Gott nie aufgehört hat, sein erlösendes, rettendes, befreiendes Handeln zu bewähren – die Psalmen halten die Lebenserfahrungen der Bewahrung wach, weil diese Lebenserfahrungen zu einem wichtigen Ausgangspunkt dafür werde, dass Hoffnung, dass Zuversicht, ja dass die Sehnsucht nach Befreiung, einem Exodus im umfassenden Sinn von Gott her neu Raum greifen – Raum greifen und unser ganzes Leben umfassen und umschließen, so dass auch wir das Lied der Befreiten anstimmen. Es gibt besonders in den Psalmen auf diesem Hintergrund einen ungebrochenen Zusammenhang zwischen Erinnerung und Hoffnung, der verlebendigend wirkt: Wie Gott sein Volk aus der Gefangenschaft Ägyptens befreit und erlöst hat, so wird er neu handeln, weil Gottes Güte treu ist und er sich an dieser Treue festhalten lässt, - weil seine Erlösung für uns kein Verfallsdatum kennt. Erst auf diesem ganzem Hintergrund wird das „Halleluja“ das große Lob Gottes, wie es der 150. Psalm tut, angestimmt. Wer dieses „Halleluja“ anstimmt ob mit Instrumenten oder mit seiner Stimme, dem eröffnet sich die ganze Welt von Glaube Hoffnung und Liebe neu. Dazu ruft unser Psalm auf, dazu macht er uns Mut! Halleluja!

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Halleluja – vielleicht ahnen wir es, ist ja nicht nur irgendein Wort unter anderen. Es hat mit Christus auch ein Gesicht bekommen; mit Herz und Geist, Mund und Händen ist dieses Halleluja Mensch geworden, lebendiges Lob, der Menschen angerührt hat in Wort und Tat, um sie auf die Seite des Lebens zu ziehen. Er hat die Mühseligen und Beladenen gerufen, um sie zu erquicken, ihnen eine Tür zum Leben und zum Loben und zum Lieben aufgetan – Halleluja; er hat die Hungrigen satt gemacht, nicht als Selbstzweck, sondern dass sie Gott als Handelnden in ihrem Leben erkennen – Halleluja, er hat die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein und die Erstorbenen ins Leben gerufen, dass wir die Sprache für das Halleluja wieder lernen und in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung haben wir das große Halleluja des Lebens wieder gefunden, ein Halleluja, von dem wir singen und sagen wollen, wie Luther es ausgedrückt hat, ein Halleluja, dass begreift, dass wir vom Kreuz und der Auferstehung Christi immer noch am Beginn des Lebens stehen, so alt wir auch sein mögen. Ist es da ein Wunder, wenn Georg Friedrich Händel in seinem großen Oratorium „Der Messias“ gegen Ende das große Halleluja anstimmen lässt – mich erinnert dies an den Schluss der Psalmen mit dem 150. Psalm: Darin schwingt Gottes Antwort auf die Lebensfragen und auch die Klagen, weil es dem Glauben der Erlösung Raum gibt, weil es das Geheimnis der Herrlichkeit Gottes und seiner Größe in unserem kleinen Leben zur Sprache bringt – es ist ein großes Staunen, dass wir ein Teil dieser Heilsgeschichte sind, die größer ist als alle Zeit von Anfang bis zum Ende. Davon erzählen Posaunenchöre – sie bringen dieses Geheimnis zum Klingen, werden in Rhythmus, Takt und Klang zur Sprache der Seele, mit der Gott ganz direkt zu unserem Herzen sprechen kann. Und so wirken die Posaunenchöre mit an der Verkündigung reformatorischen Einsicht, dass Gott uns die Gerechtigkeit seiner Liebe aus dem Glauben an Christus schenkt – das ist die gute Grundlage, auf der alles Weitere wachsen kann. Ja, wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am 150. Psalm mit Trompeten und Posaunen, Hörnern und Tuben, weil wir das Halleluja mit alten und neuen Liedern einlegen wollen und darauf vertrauen: Gott bringt sich darin selbst zur Sprache und will uns sprachfähig machen. Und im Sinne Martin Luthers, der vom allgemeinen Priestertum der Getauften gesprochen hat, werden wir, die Bläserinnen und Bläser in unseren Posaunenchören auch so etwas wie musizierende Geistliche, die sich mit ihrer Gabe in den Dienst der Verkündigung stellen. Und was es heißt, die Gabe des geistlichen Musizierens in unsere Gemeinden zu tragen, dafür hat Luther, der selber Lieder komponiert und gedichtet Folgendes gesagt: Ich liebe die Musik, auch gefallen mir nicht, die sie verdammen, die Schwärmer. 1. Weil sie Gabe Gottes und nicht der Menschen ist; 2. weil sie die Seelen fröhlich macht, 3. weil sie den Teufel vertreibt; 4. weil sie unschuldige Freude macht. Dabei vergehen Zorn, Begierden, Hochmut. Den ersten Platz gebe ich der Musik nach der Theologie. Das ergibt sich aus dem Beispiel Davids ... 5. Weil sie in der Friedenszeit herrscht ... Ich lobe die Fürsten Bayerns deshalb, weil sie die Musik pflegen. Bei uns Sachsen werden Waffen und Bombarden gepredigt.“

Wir brauchen die geistliche Musik, wir brauchen die Posaunenchöre, weil sie uns fortwährend daran erinnern, das Halleluja nicht zu vergessen – nicht nur hinter sondern ebenso vor den Kirchenmauern in der Welt. In den Tagen, die vor uns liegen, erinnern wir uns mit dem kommenden 9. November an Höhen und Tiefen in der Geschichte unseres Landes und Volkes: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen – vor nunmehr 21 Jahren wurde dieses Psalmwort wahr, als sich die Grenzen öffneten, die friedliche Revolution zum Ausdruck für die Sehnsucht nach befreiten Leben wurde. Wie viele Hoffnungslieder haben hier auch die Tore mit geöffnet, um aufzustehen für Gerechtigkeit und Frieden. Und wir denken für den gleichen Tag auch an die dunklen Augenblicke unserer Geschichte mit den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung 1938 bis zur Shoa – eigentlich möglich nur, wenn das Halleluja für uns ein Fremdwort wird, dessen tiefe Verpflichtung zur Menschlichkeit wir überhören, wenn wir es verlernen je neu und neu anzustimmen. Nur dann werden wir richtig singen, den guten Ton treffen, wenn wir neben der Ehre Gottes darin auch den tiefen Ton hören, der uns anleitet, niemals die Menschen aus dem Blick zu verlieren, die Gott uns zu Nächsten macht. Und Christus zeigt, wie nah oder fern das Reich Gottes sein kann, wie glaubwürdig wir die Konsequenz des Halleluja leben in der Geschichte des barmherzigen Samariter. Plötzlich wird der Fremde andere zum vertrauten Nächsten, weil er es ist, der hilft, der die Zuschauerrolle durchbricht und sich eine Last auflegt, mutig und im Vertrauen darauf, dass Gott solche Wege, die Menschen zu Menschen führen, mitgeht. Das ist die eigentlich Stärke unseres Glaubens, zu der uns auch das Halleluja des 150. Psalms anstiften will. Wie viel an einladender Offenheit würden wir ausstrahlen, wenn wir selbst damit ernst machen – wie schnell wäre die gegenwärtige Integrationsdebatte, dann nicht nur ein Forderungskatalog, sondern bestimmt vom Geist der Verständigung, der niemals eine Einbahnstraße ist. Es ist dieser Geist, den mich sooft an unseren Posaunenchören auch fasziniert hat, wo jung und alt, Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Prägung zusammen spielen, weil sie sich über alle Unterschiede durch eins verbunden wissen – Halleluja, lobt Gott in seinem Heiligtum:

Psalm 150 ein Blues auf die Herrlichkeit Gottes(„Blues“)
Es ist wunderbar! Es ist herrlich!
Es ist unendlich schön,
Gott im Glanz seiner Liebe und Größe zu loben.
Dankt ihm für alles, was er getan hat.
Dankt ihm, weil er uns mit seiner Liebe umschließt.
Dankt ihm mit euren Instrumenten:
mit Posaunen, Psalter und Harfen,
mit Pauken, Pfeifen und Zimbeln.
Dankt ihm mit Chorälen und Orgelmusik,
lasst die Welt erklingen von euren eigenen Stimmen.
Lasst das Lächeln in euren Augen
zur Musik für andere werden.
Lasst das Streicheln eurer Hände
den Tag ausklingen für eure Kinder.
Lobt mit Bach und Mozart,
mit Spiritual und Gospel,
und mit Blues – ja,
vergesst mir den Blues nicht,
wenn ihr Gott dankt.
Alles, was eine Seele in sich trägt,
lobe Gott.
Es ist wunderbar.
(Peter Spangenberg - Aus: Peter Spangenberg, Höre meine Stimme.)

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unser Denken und Verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 28. April 2017
 
Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.
 
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

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