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Predigten

Einer guten Predigt hört man gerne zu.

Und liest sie gerne nach. Deshalb empfehlen wir an dieser Stelle verschiedene Predigten aus der Posaunenarbeit.

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Predigt von LO Bernhard Silaschi zum Landesposaunenfest des Posaunenwerkes Mitteldeutschland in der Schlosskirche zu Wittenberg | 6. September 2009

Predigttext: Lukas 10, 25-37

Liebe Schwestern und Brüder,

es gibt Melodien, die berühren unser Herz. Es gibt Töne, die gehen nicht nur ins Ohr, sondern reichen bis auf den Grund unserer Seele. Es sind Klänge, die etwas in uns anrühren und zum Schwingen bringen. Für viele von uns, den Bläserinnen und Bläser aus den Posaunenchören ist eine solche Lebensmelodie Johann Sebastian Bachs „Gloria sei Dir gesungen“. Dieser Choralvers wird auch heute am Ende der Abschlussveranstaltung auf dem Markt vom großen Chor erklingen. Auf dem Deutschen Evangelischen Posaunentag in Leipzig hat dieses Gloria beim Schlussgottesdienst viele Menschen tief berührt, Junge wie Alte, Frauen wie Männer. Vielleicht, weil wir an diesen Lebensmelodien spüren: Sie zeigen und eröffnen uns ein Stück Himmel mitten im Alltag unserer Zeit – sie erzählen uns von der Lebensfülle Gottes, in der unser eigenes Leben umspannt und geborgen ist, sie schenken Hoffnung und Trost auf das hin, was ich nicht machen kann, aber mir doch immer wieder neu geschenkt wird. Für Momente klärt sich, worum es im Leben geht.
Worum es im Leben geht, dazu erzählt Jesus eine Geschichte, erdet sozusagen den offenen Himmel und lässt das Gloria inmitten unserer Alltäglichkeit ankommen, wie in der beispielhaften Geschichte von dem, der unerwartet zum Nächsten wurde - im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

 

 25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? 27 Er antwortete und sprach: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Deut. 6, 5; Lev. 19, 18). 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus und gab sie dem Wirt und sprach zu ihm: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir`s bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tu desgleichen.

Liebe Gemeinde,
Gehe hin, tu desgleichen! Die Ermunterung bleibt: Ein Ruf zum Leben und zur Liebe, denn darum geht es von Anfang an – auch für uns. Das Motto dieser Tage: Komm mit! Ist nur ein anderes Gewand für dieses Wort. Das worum es geht, bleibt gleich.
Das worum es geht, kann niemals nur Gegenstand einer theoretischen Erörterung bleiben. Die Liebe und das Leben sind und bleiben eine Herausforderung für alle Situationen und Momente, in denen wir uns begegnen. Das Leben verdient mehr als eine theologische Erörterung, als ein philosophisches Politikum. Es geht immer um alles, wenn es um das Leben geht. Man fragt auch nicht ohne Folgen. Und der Schriftgelehrte, der als Gesetzeslehrer fragt, wird ohne Umstände durch Jesu selbst rückwirkend in die Pflicht genommen: Was liest Du, was weißt du über das, was Dir so sehr am Herzen liegt? Die Frage, die du stellst, ist zu wichtig, als das die Antwort zum Allgemeinplatz guter Ratschläge und Tipps verkommen dürfte. Mit der Gegenfrage wird der Ratsuchende einbezogen – ein Beispiel par exellence für moderne Gesprächsführung, für ein gutes Beratungsgespräch: Nichts überstülpen, sondern den anderen auf den Weg zur Antwort begleiten; ganz ernst traut Jesus dem Fragenden zu, selbst die Lösung zu finden. Und sein Gegenüber lässt sich darauf ein. Da ist er in seinem Element, wenn es um die Schrift geht. Da ist er kompetent und beschlagen wie er unter Beweis stellt: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst.“ In einem Satz der Schlüssel zur Ewigkeit – eindeutig und klar. Gesetz und Evangelium untrennbar verbunden, in der Liebe verwachsen – unlöslich, das, was untrennbar zusammen gehört, wie eine Präambel zum Grundgesetz für das Reich Gottes. Es scheint auf, worin Himmel und Erde versöhnt sind und das Leben sein Fest feiert, worum es geht bei Gott und den Menschen ohne Verfallsdatum: Liebe Gott, liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du! Das ist der Grundton des Lebens, hier erklingt, was für die Ewigkeit stimmig ist, wie eine einfache klare Lebensmelodie, die keiner vergessen kann, der sie gehört hat – einprägsam - unmissverständlich: Die Liebe ist das Maß. Sie entscheidet, ob die Beziehung gelingt oder scheitert, zu Gott und zu den Menschen, ja zu mir selbst – wie ein dreifaches Band der Liebe, das unser Leben hält. Und ich höre: Das Eine kann nicht unbeschadet vom anderen getrennt werden: Gott, der Nächste, mein Selbst, es ist und bleibt eine unendliche Beziehungsgeschichte - unerschöpflich. Es leuchtet in rabbinischer Weisheit auf, was Martin Buber auf dem Hintergrund der jüdischen Tradition so formuliert hat: Alles wirkliche Leben ist Begegnung, mit Gott, mit den Menschen mit mir selbst; einfach und klar scheint das, unzweideutig und unstrittig: „Du hast recht geantwortet; tu das so wirst du leben.“ Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Doch sie fordert den Einwand des Theoretikers heraus. Was ist zu tun, wenn es um mehr als das Lesen und das Rezitieren von gültigen Wahrheiten geht? Wo wird das Wahre angewandte Lebensgestaltung: Wer ist mein Nächster? Wo sind die Grenzen, wie weit kann, wie weit muss ich gehen? Ist das nicht ein sehr exklusiver Begriff – Nächster – wo beginnt und wo endet er?
Und Jesus beginnt seine Geschichte und nimmt die Zuhörer mit auf den Weg von Jerusalem nach Jericho ins gefahrvolle judäische Bergland: Ein Mensch fiel unter die Räuber, sie schlugen ihn, zogen ihn aus, ließen ihn halbtot liegen. – Was das bedeutet kann: In der Stadt, in der ich lebe in Bad Oeynhausen gibt es eine Klinik, in der traumatisierte Patientinnen und Patienten behandelt werden. Dort arbeitet meine Frau als Pastorin und erzählte von dem Taxifahrer, der nachts unter die Räuber fiel, schwer verprügelt wurde, beraubt, nicht nur seines Geldes und Handys, der Sachen, die er mit hatte: Da wird einem Menschen mehr als Ersetzbares genommen. Es bleiben mehr Wunden, als die äußerlich sichtbaren, die hoffentlich wieder heilen. Anderthalb Stunden hatte jener Taxifahrer gelegen, bevor man ihn fand und versorgte. Beraubt auch des Gefühls der Sicherheit des Vertrauens, beschädigt in seiner Würde als Mensch, ausgeliefert seiner Scham, seiner Angst, seiner Wut. Hilfsbedürftig und doch lange Zeit auch unfähig für seine inneren Verletzungen Hilfe zu suchen. Die Täter wurden nicht ermittelt. Der Vorfall war nur eine Kurznotiz in der Zeitung wert: Mühsam versucht er in sein Leben zurückzufinden, das Trauma, das ihn bis in den Schlaf verfolgt zu überwinden: Einmal nur wieder unbeschwert leben. Die Frage nach dem ewigen Leben stellt sich diesen Menschen, die unter die Räuber gefallen sind völlig anders. Und Denken wir nicht nur an Überfallopfer, denken wir an Menschen, die auf die vielfältigste Weise zu Opfern werden, von einem Augenblick zum anderen unter die Räder eine Geschichte kommen, die so nicht geplant und vorhersehbar war. Jesus erzählt die Geschichte von einem, der so zum Opfer wurde, der liegen blieb im Niemandsland seiner Verwundung an Leib und Seele; und die Straße von Jerusalem nach Jericho ist lang – sie geht über alle Zeiten und Orte in dieser Welt, dort, wo die Menschlichkeit beiseite gedrängt und niedergeschlagen wird, manchmal sogar unter den Augen anderer Menschen, auf Bahnhöfen, in Familien, am Arbeitsplatzmobbing und jeder hier und heute hat vielleicht einen im Sinn mitgebracht von denen, die so auf der Strecke blieben.
Intensivstationen – die gibt es nicht nur in einem Krankenhaus, wie in dem Herzzentrum, in dem ich arbeite – wenn wir es genau bedenken ist unser Alltag an sich eine ganz eigene Intensivstation Leben. Da geht es immer ums Ganze! Von dieser Intensivstation Leben handelt Jesu Geschichte:
Da ist es doch zumindest gut zu wissen, dass diese Straße noch von anderen Menschen belebt ist: Von Leuten, die doch wissen müssten, worauf es ankommt; Leute, die dem Leben das Wort reden, angesehne Mitglieder der Gesellschaft, der Priester, der Levit: Zwei, die sich auskennen mit den Geboten und was für Gott wichtig ist und dem Leben dient. Sie müssen wohl vom Tempeldienst kommen, denn auch sie ziehen herab, nehmen dieselbe Richtung nach Jericho. Und? Sie sehen ihn: Und? Sie tun nichts, sie gehen vorüber, vielleicht ängstlich, vielleicht beschämt, vielleicht mit Gewissensbissen, inneren Ausreden und Entschuldigungen; aber darüber zu lamentieren ändert ja nichts. Die Hoffnung des Verletzten, der um sein Leben ringt, wird betrogen: Vorbeigeschaut, übersehen – andere weiter Opfer sein lassen, um selbst ungestört weiter zu gehen. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack: Gott lieben, nach dem ewigen Leben fragen, während unter meinen Augen einer mit dem Leben ringt und ich bloß zusehe – geht das? Die Intensivstation Leben in der Welt fordert Entscheidungen; sie kann im Grunde keine Zuschauer gebrauchen, wenn es lebensgefährlich wird. Wie viel Lebensmut hat deine Liebe, wenn es kritisch wird? Wie entscheidest Du Dich? Welche Konsequenzen hat dein Sehen? Welche Antworten gibt Dein Tun? Wagst Du den Schritt aus der sicheren Deckung heraus, ins Opferland der Geschunden an Leib und Seele. Glaube nicht, Du könntest Dich ungesehen an der Antwort vorbeidrücken! Wenn die Liebe das Markenzeichen der Ewigkeit ist, dann wird der eine Augenblick zur Bewährungsraum dafür, ob du das verbinden kannst, das Gott mit dem anderen und dir selbst, ob du das dreifache Band der Liebe zusammen hältst, oder ob dir die Fäden des lebens entgleiten und Du nicht zusammenbringst, was zusammengehört – Die Zuhörer erkennen wohl, was angesagt wäre: Eine heilsame Unterbrechung, ganz notwenig, damit einer zurück ins Leben findet, mit Menschen, die die Hilfe geben und nicht schuldig bleiben, damit einer nicht weiter darauf festgelegt bleibt Opfer zu sein: „Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin, und als er ihn sah jammerte er ihn“ – Eine unverhoffte Wendung: Der Fremde aus Samarien zeigt die menschliche Regung, dem man solch ein Einsatz am wenigsten zugetraut hätte – so kann man sich auch täuschen. Er überwindet die Barriere der Entfremdung, der Angst, der Ausreden, mit denen sich einer so schnell als unzuständig erklärt. Sein Wahrnehmen löst Betroffenheit aus. Er lässt sich aufhalten. Erfasst die Situation und die Bedeutung dieser Begegnung – es geht ums Ganze. Alles andere ist dann nur folgerichtig: Eine umsichtige Erstversorgung. Das Mögliche und Nötige geschieht. Wie sehe es in unserer Gesellschaft aus, wenn das Mögliche und Nötige geschähe, eindeutig, klar, unaufgeregt, aber ganz wirksam, zum Bsp. wenn wir über Kinderarmut sprechen, in immer mehr Städten Bündnisse für Familien entstehen. Es geht immer wieder und immer neu darum, Menschen auf die Seite des Lebens zu ziehen, sie aus dem lähmenden Status der Hilflosigkeit und des Opferdaseins, wo über sie verfügt wird zu befreien. Wie viel an inneren Mauern, Barrieren und Hürden ließen sich auf diese Weise beseitigen – im anderen einfach den Nächsten sehen.
Liebe Gemeinde, So sieht Christus selbst ja Menschen an, es ist mit dem selben Wort ausgedrückt im Evangelium – Ihn jammerte, wie den Samariter. Da ist keine Gefühlsduselei im Spiel, sondern es setzt ein zielgerichtetes Handeln frei, da gerät etwas in Bewegung, wie in manchen Heilungs- und Speisungsgeschichten. Die Liebe eröffnet dem Wunderbaren Lebensräume, geht an die Grenze, verbindet letztlich nicht bloß die Opfer unter dem Rad, wie Bonhoeffer das ausgedrückt hat, sondern gewinnt sogar den Mut dem Rad in die Speichen zu fallen. Es geht dann auch darum, die Straße von Jerusalem nach Jericho sicherer zu machen. Wer nach dem Leben in Fülle fragt, der muss damit rechnen, dass es keinen Bereich gibt, der ausgespart bleibt für die Liebe, das Leben, weil der himmlische Vater sich mit seinem Sohn für die Kinder der Schöpfung in Kreuz und Auferstehung ganz und für und über alle Zeit auf die Seite des Lebens gestellt hat. Christus ist auch darum einer der Verwundeten und Entblößten geworden, dass wir lernen mit seinen Augen das Leben zu begreifen, von denen her wahrnehmen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, uns auf die Seite der Hilfsbedürftigen stellen. Gott lieben, geschieht mitten in der Welt, Gott lieben, will uns aus einer unbeteiligten Zuschauerrolle herausholen: Darum trachte danach, dass du lernest nach diesem Beispiel dieses Samariter dich zu halten, welcher sich des Verwundeten in seiner Not also annimmt, ihm hilft und pflegt, wie er hätte begehrt, dass ihm ein anderer in solcher Not auch getan und seiner gepflegt hätte; und bringt dadurch das Lob davon, dass er Gott und seinen Nächsten geliebt habe. Dass, sage ich, sollst du lernen, dass du es auch tust
- so hat Martin Luther die Konsequenz zu unserem Abschnitt formuliert. Die Intensivstation Leben braucht unser ganzes Eintreten mit Herzen, Mund und Händen, weil das Leben selbst auf dem Spiel steht. Darum Jesu doppelte Aufforderung im Evangelium: Tue das! Ganz lebenspraktisch und lebensnah!

Liebe Bläserinnen und Bläser zum Landesposaunenfest hier in Wittenberg,
das ist ein besonderes Vorzeichen die Liebe. Ein Vorzeichen, das bleibt - egal ob Kreuz oder B auf der Notenlinie steht, einerlei ob Dur oder Moll; eine Lebensmelodie ohne die Liebe musiziert klingt schief. Zur Ehre Gottes, zur Freude und Nutzen der Menschen und uns selbst zum Guten. Ein guter Dreiklang, den wir nicht achtlos auseinanderreißen sollten.
Das große Gloria beginnt zuallererst in der Tiefe: Gottes Ehre entscheidet sich eben immer zunächst auf der Straße nach Jericho. Es ist gut, wenn uns das bewegt und zu Herzen geht, wenn wir wieder einmal auf den Straßen und Plätzen musizieren. Nahe bei den Menschen lasst uns auf die Seite der Menschlichkeit treten – nur so sind wir ganz bei Christus. Darum Komm mit – lass dich bewegen!
Amen
 

 
 
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LOSUNG DES TAGES
Freitag, 10. September 2010
 
Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
 
Wir können's nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.

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