Geschichte

Auch wenn bereits im Alten Testament die Mauern von Jerichow durch den Schall der Posaunen einstürzten – Posaunenchöre, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit der Renaissance. Als evangelische Posaunenchöre berufen wir uns auf die Ideen und Intentionen von Eduard (Vater) und Johannes (Sohn) Kuhlo, die die Posaunenchöre als „Orgeln im Freien" mit neuen missionarischen Aufgaben ausschickten. Stöbern Sie in unserer

Kleinen Zeittafel

 

Die Anfänge der Posaunenarbeit

Die Anfänge der Posaunenarbeit

16. bis 18. Jahrhundert

Schon im frühen 16. Jahrhundert sind Posaunenensembles auf Bildquellen dokumentiert. Gegen 1500 schreibt der Posaunist Giovanni Aloixe in Briefen über die Einrichtung von Motetten für Bläser. Er berichtet über die Zusammenstellung von fünf Posaunen sowie über die Kombination von vier Posaunen mit zwei Cornetten und vier Posaunen mit vier Schalmeien. 1618 beschreibt Michael Praetorius in seinem Syntagma musicum einen „Posaunen Chor“. Er erwähnt eine Alt- oder Diskantposaune in F, die Gemeine rechte Posaun in B, die Quartposaune sowie eine Oktavposaune. Er gibt Besetzungshinweise für das Zusammenwirken mit Singstimmen, Fagotten, Zinken, Streichern und Blockflöten.

Das chorische Posaunenspiel wurde bis 1750 fast ausschließlich von Stadtpfeifern gepflegt.

 

Erweckungsbewegung

Erweckungsbewegung

19. Jahrhundert

Die Anfänge der heutigen Posaunenchorarbeit liegen in der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Nach der Aufklärung mit ihrer starken Betonung der Vernunft wollte die Erweckungsbewegung bei den Menschen einen „lebendigen“, vom Herzen kommenden, Glauben wecken. Dies geschah, indem man Menschen bei Zeltmissionen, Freiluftgottesdiensten und „erwecklichen“ Veranstaltungen direkt vor Ort ansprach.

Die Bläser erwiesen sich als gute Möglichkeit sowohl für diese Veranstaltungen Aufmerksamkeit zu erregen, als auch sie musikalisch zu begleiten. Sie waren mobil einsetzbar, „lautstark“ und konnte durch Mauern hindurch auf die Erweckungsgottesdienste und Zeltmissionen aufmerksam machen. So entstanden im Minden-Ravensberger Land die ersten Posaunenchöre in den Gemeinden als „Einsatzkommandos“ für Veranstaltungen der Erweckungsbewegung. Träger dieser Chöre waren Laien, die zwar stark vom Glauben geprägt waren, aber selten eine musikalische Ausbildung hatten.

Pfarrer Eduard Kuhlo versuchte als erster diese neu entstehende Chorarbeit in das kirchliche Leben zu integrieren und Hilfen für die Posaunenarbeit in den Gemeinden an die Hand zu geben.
 

„Posaunengeneral“ Johannes Kuhlo

„Posaunengeneral“ Johannes Kuhlo

1856 – 1941

Johannes Kuhlo, Sohn von Eduard Kuhlo, setzte dessen Arbeit fort. Zuerst legitimierte er sie biblisch, indem er in einem fast naiven Sendungsbewusstsein die Posaunenchorbewegung über die Jahrtausende hinweg an die Kultmusik des Alten Testamentes und deren Posaunen anknüpfte.

Weiterhin gab Johannes Kuhlo mit seinen „Posaunen-Fragen“ einen umfassenden Leitfaden für die Arbeit mit Posaunenchören heraus. Er verknüpfte diese Arbeit mit der Jünglings- bzw. Jungmännerarbeit in den erweckten Gemeinden und hob dabei immer den missionarischen Impetus der Posaunenchöre hervor.

Kuhlo gab in seinen „Posaunen-Fragen“ eine „Kriegslist“ an, wie ein Posaunenchor erwecklich-missionarisch tätig werden könnte. In den Arbeitervierteln wird am Sonntag morgen folgendermaßen an verschiedenen Stellen evangelisiert: „Wir blasen zunächst ein kurzes Liedchen, z.B. einen Vers von ‚Tochter Zion’ (Nr. 391). Sofort fliegen die Fenster auf, verwunderte, aber auch hin wieder wütende Gesichter kommen zum Vorschein, jedoch ehe ein Mund loslästern kann, rufe ich: ‚Liebe Leute, wir möchten euch ein Ständchen bringen, dürfen wir euch noch eins blasen?’ Sobald sie nun in dem so heiß begehrten Herrengefühl endlich einmal etwas zu erlauben haben, wird die Erlaubnis gerne erteilt.“ Es folgen ‚glaubensstärkende Lieder’, ‚missionarische Predigten’ und immer wieder Choräle. „Denn sie sind die einzigen Predigten, mit denen man noch an die der Kirche Entfremdeten heran kommen kann.“

Diese Aufgabe sollte ein Posaunenchor übernehmen, sobald er „nur erträglich blasen kann“. Nach dieser Aufforderung wird verständlich, dass Chöre bereits nach 4 Wochen erste Choräle schmetterten. 
 

Jahre der Deutschen Teilung

Jahre der Deutschen Teilung

1945 – 1993

Nach 1945 spaltete sich die Posaunenarbeit in organisatorischer Hinsicht. In manchen Gebieten kehrten die Chöre zum CVJM bzw. Jungmännerwerk zurück (Württemberg und CVJM-Westbund unter Führung von Hermann Mühleisen, dem Vorsitzenden des Reichsbeirates Posaunenchöre im CVJM-Reichsverband, später: CVJM-Gesamtverband).

In den meisten, vor allem norddeutschen, evangelischen Landeskirchen wurden 1945 „Posaunenwerke“ gegründet, die sich zum Dachverband „Posaunenwerk der EKD“, später „Posaunenwerk in der EKD“, mit Fritz Bachmann als Obmann (Nachfolger: Hans-Martin Schlemm und Günther Schulz) zusammenschlossen. Daneben gab es auch selbständige Posaunenchorverbände (Bayern, Baden, Pfalz).

Durch die deutsche Teilung wurden nach dem Mauerbau 1961 die Posaunenwerke in der DDR organisatorisch von den westdeutschen getrennt.
 

Die Gründung des EPiD

Die Gründung des EPiD

1994

Der EPiD wurde 1994 in Bethel (Bielefeld) gegründet, an historischer Stätte, denn hier wirkte Pastor D. Johannes Kuhlo (1856-1941), der Pionier und Altmeister der Posaunenchorbewegung. Der EPiD ist der erste Zusammenschluss aller evangelischen Posaunenchöre in Deutschland.

Nach dreijähriger Vorbereitungszeit wurde am 24. September 1994 von 79 Dele­gierten aus 31 Posaunen­werken und -verbänden der neue Dachverband „Evangelischer Posaunendienst in Deutschland e. V.“ aus der Taufe gehoben. Der Vorsitzende des EPiD erhielt die Bezeichnung „Leitender Obmann“. Es wurden ein Posaunenrat gebildet, in dem jeder Verband vertreten ist, sowie vier Ausschüsse für Theologie, Musik, Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit.